Die Meldung schlug ein wie eine Bombe. Der Riese Amazon will sich nun auch einen Teil vom Online-Reisemarkt-Kuchen abschneiden. Wer mehr darüber wissen will der kann hier, oder  hier, oder hier nachlesen.

Viele meiner Kunden haben auf diese Nachricht hin geseufzt. Wieder jemand der an den sonst so dünnen Margen in der Hotellerie mitverdienen will. Man hat schon große Schwierigkeiten den Preis pro Saison um ein paar Euro nach oben zu schrauben. Da kommen die Provisionsrechnungen  über 12% bzw. 15% von den OTA’s recht ungelegen.

Wird jetzt Amazon eine Chance haben sie am Reisemarkt zu etablieren? Das Potential hat Amazon auf alle Fälle. Nicht umsonst sieht Google in Amazon den größten Konkurrenten in  Zukunft. Schon heute ist Amazon für Einkäufe die erste Anlaufstelle. Ich selber kaufe lieber bei Amazon ein und lasse es mir günstig zusenden, als mich in ein überschaubares Geschäft zu stürzen, mit überschaubarer Auswahl (dazu noch begrenzt in Anzahl der Kleidungsgrößen), und sehr oft preislich noch teurer als bei Amazon. Natürlich unterstütze ich damit nicht die lokale Region, aber sorry… that’s business. Die Schnellen fressen die Langsamen. Ihr seht aber, bei Amazon wird Geld ausgegeben und da spielt die Musik.

Ein großes Plus von von Amazon sind die Profildaten eines jeden Käufers. Amazon kann nachvollziehen was ich gekauft haben, für was ich mich interessiere und worauf ich klicke.. Stellt euch vor ich suche bei Amazon Skischuhe oder neue Ski. Die Wahrscheinlichkeit liegt nahe, dass ich Skifahren kann und ich vielleicht auch mal in den Skiurlaub fahren werde. Also Zielpublikum zu 100% getroffen.

Der Einstieg in das Reisegeschäft wird jetzt aber nicht so einfach sein. Auch Google hat mit seinem Google Hotelfinder noch nicht den Durchbruch geschafft. Aber die Ansätze sind da und die beiden Branchenprimuse werden sicherlich weitere daran arbeiten um auch am Reisegeschäft mitzuverdienen

Was bedeutet das nun für den Hotelier? 

Das genannte Seufzen meiner Kunden kann ich jetzt nicht zu 100% teilen. Ein weitere Player auf dem Markt vermindert meine Abhängigkeit zu Booking.com oder auch zu Google. Ich kenne viele Hoteliers die ihr Online Marketing nur auf Booking.com setzen. Man verschafft sich damit natürlich eine extreme Abhängigkeit. Was ist wohl los wenn Booking.com seine Provision von den jetzigen 12% mal auf 15% oder 18% erhöht. Leider kann man nicht reagieren, weil man das Online Marketing nicht mehr selber in der Hand hat und das Know How erst wieder aufgebaut werden muss. Nebenbei: Alle neuen Verträge von Booking.com in Südtirol starten jetzt bei 15% Provision und nicht wie bisher bei 12%. Ein kleiner Beweiß dafür, dass das Provisionszenario nicht ein Hirngespinnst ist. Grundsätzlich ist der Schritt von Amazon zu begrüßen, um eben die Abhängigkeit von einem oder wenigen Playern aufzubrechen.

Nichtsdestotrotz soll und muss das Ziel eines jeden Hoteliers die direkte Buchung auf der Webseite sein! Immer wieder kommen Gastwirte zu mir und klagen über die schlechten Statistikzahlen der Webseite. Sie haben teilweise das Online Marketing aus den Augen verloren, man muss sie nur immer wieder auf die Buchungskonditionen hinweißen, die sie Booking.com geben, und welche sie auf der Webseite haben. Auf Booking.com sind Stornos am selben Tag noch kostenlos möglich, auf der eigenen Webseite sind meistens keine kostenlose Stornos möglich. Tja wo würdet ihr buchen wenn es die zwei Möglichkeiten gibt? Schon immer wieder verwunderlich wie sehr sich der Hotelier auf Booking.com einlässt und seine eigenes Baby (seine Homepage) außen vor lässt. Sagt Booking.com seinen Mitgliedern, dass  es super wäre ohne Kreditkarte zu buchen, dann werden das viele Hoteliers sofort umsetzen, einfach weil sie blind dem Online-Riesen folgen und jedes mal eine extreme Freude haben wen ein Buchungsfax von Booking.com eintrudelt… Ganz nach dem Motto: „Nur Booking.com funktioniert, da brauch ich nicht mal im Büro sitzen und es wird gebucht…“

In letzter Zeit kann ich aber ein Umdenken bei einigen Leistungsträgern erkennen. Man prostituiert sich nicht mehr so sehr an Booking.com wie früher. Viele gehen her und verlangen Anzahlungen, gleichen die Stornobedinungen mit der Homepage an. Viele haben einfach die Schnauze voll von den ganzen Stornierungen und die Ungewissheit mit einer OTA-Buchung die bis kurz vor Anreise storniert werden kann.

Was kann jetzt ein Hotelier also tun um den OTA’s den Riegel etwas vorzuschieben?

  • Stornobedingungen angleichen mit jenen von der Homepage
  • Auf der Homepage klar kommunizieren, dass es hier den BESTEN Preis gibt
  • ebenso auf der Homepage Dienstleistungen nennen die nur über direkte Buchung möglich ist (Flasche Wasser am Zimmer, Spa Nutzung bei Abreise)
  • Einige Hotels geben sogar % Rabatt auf direkte Buchung (siehe Bild unten)
  • unterstreicht, dass die Buchungsberatung im Hotel immer noch die beste ist.
  • Richtet „nicht stornierbare Raten“ auf Booking.com ein. Natürlich müssen diese Raten preislich attraktiver sein.
  • Eventuell eine Anzahlung verlangen über alle  Buchungskanäle
  • Stammgäste fördern… die werden hoffentlich nicht über Booking.com buchen.

Wie ihr seht führen viele Wege nach Rom. Ich kann jetzt nicht die Formel für den Erfolg liefern. Jeder Betrieb ist anders und jeder Betrieb verwaltet das Thema anders.

Was meint ihr – wie steht ihr zu dem Thema? Welche Ideen habt ihr um den Direktvertrieb zu fördern?

 

Hier im Anhang noch ein Foto aus dem Aufzug vom Hotel Excelsior in München. Auch eine Möglichkeit den Direktvertrieb zu pushen

Hotel Excelsior München